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FB1 TT TU AER

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VfL Frotheim

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TuRa Espelkamp II

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FC Oppenwehe

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TuS Levern

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SV Hüllhorst-Ob.

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TuSpo Rahden

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SV Schnathorst II

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TuS Gehlenbeck II

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BSC Blasheim II

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TuS Dielingen II

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Holsener SV

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TuS Oppendorf

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13

FC Pr. Espelkamp II

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14

Türk Espelkamp

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15

TuS Tengern III

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OTSV Pr. Oldendorf

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Was machen eigentlich Klaus Pick und Helmut Hußmann?

Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es einige Zeit, bis der Ball wieder ordnungsgemäß rollte. Der alte Frotheimer Verein DT Frotheim musste auf Beschluss der Besatzungsmächte umbenannt werden. Nunmehr hieß man SG Frotheim. Da der Fußballbetrieb weder qualitativ noch quantitativ in Gang kam - damals stand der Frauenhandballsport im Mittelpunkt - , wurde parallel der FC Frotheim gegründet, der sich nur dem Fußball widmete. Erst 1956 kam es zum Zusammenschluss beider Vereine in den VfL Frotheim. Interviewt wurden hier zwei Zeitzeugen, die in dieser Zeit aktiv waren.

Klaus Pick (71 Jahre, 4 Kinder) war sowohl bei der Gründung des FC Frotheim (1954) als auch bei der Gründung des VfL (1956) mit dabei. Er ist gelernter Maschinenschlosser, hat lange bei Kolbus gearbeitet und ist heute Rentner. Er fing damals beim FC Frotheim an, später ging es dann beim VfL weiter. Eine Knöchelverletzung zwang ihn 1958 trotz mehrmaliger Comebackversuche zum Aufhören. Er fungierte danach noch einige Zeit als Jugendbetreuer. Sein Sohn Karsten trainiert die C-Juniorinnen.
Helmut Hußmann (76 Jahre, 5 Kinder) war ebenfalls bei der Gründung des VfL Frotheim dabei. 1955 hat er geheiratet. Beim Poltern waren beide Dorfvereine, FC und SG Frotheim, vertreten. Drei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg begann er, bei der SG zu turnen. 1949 wurde eine Schülermannschaft aufgemacht, in der er Fußball spielte. Insgesamt spielte er bis Mitte der 1950-er kurzzeitig beim FC und in der Reserve der SG. Genau wie Klaus Pick wurde auch Helmut Hußmann durch eine Verletzung (Bänderriss) zum Aufhören gezwungen. Allerdings wäre dies beruflich wohl auch nicht möglich gewesen (Landwirtschaft zu Hause). Ab dem 21. Lebensjahr arbeitete er zunächst 22 Jahre in einer Papierfabrik, später 18 Jahre bei der Nike. Auch fungierte als Jugendwart beim VfL.
 

vfl-frotheim.de: Auf welcher Position haben Sie gespielt?

Klaus Pick: Rechter Verteidiger. Links war nicht so gut. Meine Technik war sowieso nicht so gut, ich war eher der Zerstörer.

Helmut Hußmann: Ich war Mittelläufer. Damals war da nichts mit 4-2-4 oder so. Das gab zwei Verteidiger, drei Läufer und fünf Stürmer.


vfl-frotheim.de: Wie sind Sie damals zu den Auswärtsspielen gekommen?

HH: Bis Anfang der 50-er-Jahre sind wir da immer mit dem Fahrrad hingedüst.

KP: Später ist dann der Döding mit dem Bulli gefahren und auch der Würstchen Wilhelm.


vfl-frotheim.de: Gab es Anfang der 50-er viele Zuschauer am Platz?

HH: Es gab nur ein paar ältere Strategen…

KP: …ältere Strategen mit Spazierstock, die den dann schon mal dazwischen hielten, damit die Außenstürmer nicht durchkamen.


vfl-frotheim.de: Das erlebt man heute nur noch in Börninghausen…

HH: Schlimm war es in Fabbenstedt. Da war eine starke Jugendmannschaft. Und wenn wir gegen die spielten, dann hat die Frau von deren Präsidenten uns mal zack den Regenschirm übers Knie gezogen (lacht).
 

vfl-frotheim.de: Wer war denn Trainer damals?

HH: In der Jugendzeit war das beim Turnen Fritz Möhle und beim Fußball Anton Schillack. Betreuer war Heinrich Rollmann.

KP: An so einen richtigen Trainer kann ich mich gar nicht erinnern. Irgendwann hat Hußmanns Willi das mal übernommen.


 

VfLFrotheim_1957

Hier die Mannschaft von 1956. Klaus Pick sitzt unten links, Franz Glöckner steht in der Mitte der oberen Reihe. Einige Nachfahren vieler dieser Spieler sind heute noch immer im Verein aktiv.

vfl-frotheim.de: Warum haben Sie Ihre Verletzungen zum Aufhören gezwungen?

KP: An den Verletzungen wurde damals nicht viel gemacht.

HH: Da kriegte man eine Spritze rein und dann musste es von selbst wieder zusammen heilen. Aus heutiger Sicht wäre das mit Sicherheit kein Problem.


vfl-frotheim.de: Wie war das denn mit den Vereinsrivalitäten damals? War das wirklich so schlimm zwischen SG und FC Frotheim?

HH: Es gab eher Schwierigkeiten mit dem Schützenverein. Der Schützenverein hatte eine Schlägertruppe. Wenn da einer aufmuckte, dann hauten die zu.

KP: Solange liefen SG und FC ja auch nicht parallel. Das eine war Turnen und Handball, das andere Fußball.

HH: Kurt Brand, der Wirt und Vereinsvorsitzender, wurde da auch mit einbezogen. Der zog die ganze Jugend zum FC und vor allen Dingen auch in die Kneipe. Das erste Fernsehgerät, 1954, da haben wir dann das Endspiel geguckt und da war die Bude immer gerammelt voll.


 

FLanghorst

Fritz Langhorst auf dem alten Sportplatz an der Grundschule etwa 1957. Er sollte ebenfalls interviewt werden und verstarb kurz vorher.

MitgliedsausweisHußmann

Der Mitgliedsausweis (SG Frotheim) von Helmut Hußmann von 1948 riecht nach Geschichte.

vfl-frotheim.de: Wie viele Einwohner hatte Frotheim damals?

HH: In Frotheim wohnten damals genauso viele Leute wie jetzt. Da im Krieg die vielen Flüchtlinge und Evakuierte.

KP: In Espelkamp war ja erst ein Munitionslager, da war ja gar nicht. Ich bin ja auch Flüchtling, und wir sind praktisch ohne Taschentuch hierhergekommen und sind dann irgendwo beim Bauern untergekommen.


vfl-frotheim.de: Woher kommen Sie?

KP: Gebürtig aus Westpreußen.

HH: Meine Frau auch, die kamen aus dem gleichen Ort.

KP: Mein Vater ist am vierten Kriegstag erschossen worden. Die zurückrückenden Polen haben alle deutschen Männer, die sie erwischt haben, erschossen.

(An dieser Stelle erzählen die beiden von weiteren einschneidenden Kriegs- und Flüchtlingserfahrungen)



vfl-frotheim.de: In den 1950-ern ging es ja in Sachen Ligazugehörigkeit immer mal wieder rauf und runter.

KP: Ja, der VfL war in der Zeit immer eine Fahrstuhlmannschaft. Für die erste Kreisklasse zu schwach, in der zweiten lief es dann ganz gut.


vfl-frotheim.de: War damals Ehrgeiz in der Truppe?

KP: Wir haben damals viel Konditionstraining gemacht. Also viel gelaufen. Da sind wir mal Mannschaftsmeister geworden. Das war in Espelkamp. Eigentlich waren die Vorzeichen nicht gut, weil wir tags zuvor dem Alkohol etwas zugesprochen hatten. Und Langhorsts Willi hatte schon aufgegeben und als wir kurz vor dem Ziel waren, kam er aus den Büschen und war auf einmal wieder dabei. Und dann waren wir die einzige Mannschaft, die komplett angekommen war.


 

KPick_HHußmann

Klaus Pick (links) und Helmut Hußmann (rechts) im Mai 2010

vfl-frotheim.de: Was verbinden Sie mit dem VfL Frotheim?

HH: Die Turnriege, die war wirklich spitze.

KP: So ein Mannschaftsspiel ist ja immer toll.

HH: Toll war vor allem die Handball-Mannschaft. Zur damaligen Zeit waren das Ereignisse, als die gegen Spitzenmannschaften spielten. Berlin, Dortmund, Hamburg oder Recklinghausen, das waren große Mannschaften.

KP: Schönstes sportliches Ereignis war der Amtspokal, als wir uns gegen die Isenstedter, Nettelstedter und Gehlenbecker durchgesetzt hatten.


vfl-frotheim.de: Was war Ihr einschneidendstes negatives Ereignis?

HH: Das war der Unfall von Franz Glöckner. Der ist in eine Schneewehe gekommen, dann in den Graben und dann konnte er sich wohl nicht befreien.

KP: Das sind wir abends losgewesen, hatten ein paar getrunken. Wir sind nach Hause gefahren und er wollte unbedingt noch zu Bollhorst. Dann ist er ins Schleudern gekommen, er ist im Graben gelandet und erfroren.


vfl-frotheim.de: Wann war das?

KP: Ich glaube 1958 oder 1959. Den haben wir dann zu Grabe getragen.


vfl-frotheim.de: Haben Sie heute noch Kontakt zum VfL?

KP: Ich habe 1959 geheiratet, bin 1960 zur Bundeswehr gekommen und war danach praktisch weg aus Frotheim. Wenn man noch mal hinkommt, die Älteren kennt man noch, die Jugend aber sowieso nicht mehr. Und viele sind einfach auch nicht mehr da. Es besteht gar kein Kontakt mehr. Ich bin hier ja jetzt im Sportlerheim (Anm: in Wehe) Hausmeister. Aber ich bin Fußballer; an den Weher Handball konnte ich mich nie gewöhnen (lacht).


vfl-frotheim.de: Welches waren die fünf besten Fußballer, mit denen Sie zusammen gespielt haben?

HH: Roland Simon, Heinrich Waßmann

KP: Hußmanns Willi und Möllers Friedrich.

HH: Günter Stefener, der dann nach Lübbecke ging.


vfl-frotheim.de: Verfolgen Sie noch, was beim VfL passiert?

HH: Ja, alleine durch meinen Enkel (Anm.: Markus Meier)

KP: Da guckt man schon hin.

(Mai 2010)
 

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