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VfL Frotheim

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TuRa Espelkamp II

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FC Oppenwehe

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TuS Levern

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SV Hüllhorst-Ob.

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TuSpo Rahden

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SV Schnathorst II

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TuS Gehlenbeck II

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BSC Blasheim II

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TuS Dielingen II

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Holsener SV

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TuS Oppendorf

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FC Pr. Espelkamp II

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Türk Espelkamp

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TuS Tengern III

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OTSV Pr. Oldendorf

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Was machen eigentlich Alfred Stockmann und Charly Schlottmann?

Den einen hat man lange nicht mehr in Frotheim gesehen, den anderen sieht man ab und an noch auf dem Sportplatz. Beide waren in der Fußballabteilung aktiv, als fiese Scheitel schwer in Mode waren; die Rede ist natürlich von den 70-er Jahren. Der eine war Trainer, der andere einer seiner Spieler der damaligen „Ersten“ des VfL Frotheim.
In einem gemeinsamen Interview zweier Männer, die sich seit 14 Jahren nicht gesehen haben, soll die Frage geklärt werden:

Was machen eigentlich Alfred Stockmann und Karl-Heinz „Charly“ Schlottmann?

Alfred Stockmann, geboren 1938, arbeitet (immer noch) als selbstständiger Schankanlagenkontrolleur. Ihm ist es z.B. zu verdanken, dass wir auf dem Blasheimer Markt immer hygienisch einwandfreies Bier gezapft bekommen. Er ist verheiratet und freut sich über seine sieben Enkelkinder. Vier davon heißen übrigens mit Nachnamen Versick und sind dem Fußballbezirk als ambitionierte Kicker bekannt.
Alfred Stockmann wohnt in Minden-Haddenhausen, wo er auch viele Jahre aktiv Fußball gespielt hat. Zwischen 1973 und 1975 war er der Trainer des TuS Tengern, ehe er im Jahr der Sportplatzeinweihung beim VfL Frotheim anheuerte. 1979, nach vier Frotheimer Jahren, zog es ihn zurück nach Haddenhausen. Dort arbeitete er als Coach bei seinem Stammverein. Im Zuge der schweren Krankheit seiner Frau im Jahre 1986 hängte er aus verständlichen Gründen seine Trainertätigkeit komplett an den Nagel. Zum Glück konnte seine Frau die schlimme Krankheit besiegen.

Karl-Heinz Schlottmann, Jahrgang 1956, lässt sich konsequent „Charly“ nennen. Er wohnt mit seiner Frau in Frotheim, hat zwei Kinder und ist inzwischen auch glücklicher Großvater (von bislang „nur“ zwei Enkelkindern). Er erlernte den Beruf des Bürokaufmanns und arbeitet heute in der Nähe von Rödinghausen. Sein verstorbener Vater Heinrich war „Multifunktionär“ – Spieler, Spielertrainer, 2. Vorsitzender, Ehrenmitglied, Schiedsrichter, Trainer der Fußballfrauen – beim VfL Frotheim.
1975 kam Charly in die Senioren, wo er zunächst in der Zweiten spielte, ehe ihn Alfred Stockmann in die Erste „beförderte“. Bis 1988 kickte er in der Reserve. Noch bis 1992 half er dort aus, wenn Not am Mann war.

Wie immer musste das Interview aus redaktionellen Gründen etwas gestrafft werden. Im Gespräch wurde außer dem, was weiter unten zu lesen ist, über viele andere Themen geplaudert und philosophiert: z.B. die finanzstarken Mini-Hoffenheimer aus Rödinghausen, versiegende Finanzen von Landesligamannschaften, Schlitzohren im Frotheimer Vorstand, den Jugendfußball im Kreis Minden, spielerische, konditionelle und alkoholtechnische Stärken und Unzulänglichkeiten ehemaliger (Mit)Spieler, Enkel Thilo Versicks Profivertrag bei Arminia Bielefeld und die verstorbenen ehemaligen Mannschaftskameraden Heinz Glöckner und Heinz-Dieter „Didi“ Wilke (von deren Tod Alfred Stockmann erst durch Charly Schlottmann beim Ansetzen des Interviewtermins erfahren hatte).

 

Mehr Informationen zur Geschichte der Ersten, die späten 1970-er

vfl-frotheim.de: Wie konnte man es damals schaffen, Familie und Fußball unter einen Hut zu bringen?

Charly Schlottmann: Die Männer hatten nie die Schwierigkeit, nach einem Spiel auf die Uhr gucken zu müssen, weil die Frauen und Freundinnen spätestens zur zweiten Halbzeit am Platz waren.

Alfred Stockmann: Deswegen hat es auch nie Ärger gegeben. Das war für meine Person ganz wichtig. Nur wenn man eine Gemeinschaft ist, kann man auch Erfolge erzielen.

C.S: Das muss ich mal gerade einwerfen, dass es dein Prinzip war, sich um die Familien zu kümmern. Ich war in der Ersten als Jung-Papa, mit 20 das erste Kind und mit 23 das zweite. Sonntags Kindtaufe. Alfred hat persönlich mit meiner Frau gesprochen mit so einem Blumenstrauß in der Hand. „Er ist pünktlich zum Kaffee zu Hause, das garantiere ich dir. Kann er nach der Kirche zum Fußball kommen?“ Und meine Frau sagte: „Klar darf er das!“


vfl-frotheim.de: Wie verlief die Zusammenarbeit mit dem Vorstand aus Sicht des Trainers?

A.S.: Ich habe selten mit so einem guten Vorstand zusammen gearbeitet. Das darf man nie vergessen. Der Vorstand war immer da, immer. Auch beim Training liefen sie häufig auf dem Platz rum.


vfl-frotheim.de: Alfred, wie würdest du im Nachhinein deine Zeit beim VfL bewerten?

A.S.: Es war fantastisch. Wir hatten also wirklich eine ganz tolle Truppe. Tengern war auch nicht schlecht, aber das Umfeld in Frotheim war eher meine Welt.


vfl-frotheim.de: Wie bist du Trainer des VfL geworden?

A.S.: Ich war bei Tengern und CDU-Mann Albert Pürsten wollte mich nach Preußen holen. Und da wäre ich um Haaresbreite auch hingegangen, aber ich bin mit dem Espelkamper Wolfgang Korten aneinander geraten. Und da habe ich gesagt: „Albert, tut mir leid. Aber so will ich keine Zusammenarbeit haben.“ Und dann stand das in der Zeitung drin. Und angerufen hat hier Krupkas Hans, ob ich Zeit hätte, die bräuchten dringend einen neuen Trainer. Und dann waren Hußmanns Heinrich, Waßmanns Günter, Krupkas Hans und noch ein Vierter bei mir. Und wie es dann so ging. Gespräch, Gespräch, hin und her. Ich hatte mir Bedenkzeit ausgebeten und in der Zeit ein Spiel von der Jugend und der Ersten angeguckt und dachte: „Aus der Truppe kannst du was machen“.Truppe kannst du was machen“.


vfl-frotheim.de: Das war die Zeit der Sportplatzeinweihung.

A.S.: Genau, es bot sich eben alles an. Der Sportplatz war neu, da wurden neue Trainingsbällte gekauft. Beim ersten Mal waren über 30 Leute beim Training. Da musste ich erstmal gucken, wer zu wem gehört.
 

VfL schoepft Hoffnung

 

Genaues Datum unbekannt, aber das war der Zeitungsausschnitt aus der NW vom Sommer 1975, der den neuen Trainer ankündigte.

vfl-frotheim.de: Charly, wann hast du aufgehört, aktiv zu spielen?

C.S.: Ich wollte eigentlich mit 30 aufhören. Da war im April bei uns die Party, wo ich ein Zelt aufgebaut hatte. Da haben alle aus der Ersten ihren rechten Fußballschuh vors Zelt gestellt und haben sich vor meine Frau niedergekniet und gefragt: „Darf Charly noch ein Jahr spielen?“ Und da hat sie gesagt: „Jawohl, darf er!“ Da habe ich das Jahr gemacht und danach nur noch in der Zweiten bei Heimspielen ausgeholfen.


vfl-frotheim.de: Wie geht es euch gesundheitlich?

C.S.: Nach meiner Therapie blendend, wie ein neues Leben.

A.S.: Jetzt wieder gut. Ich war an Krebs erkrankt, aber seit 10 Jahren ist alles vorbei. Gott sei Dank.


vfl-frotheim.de: Was fällt euch zu eurer VfL-Zeit ein?

A.S.: Beim VfL Frotheim war es wie eine Familie. Da waren super Leute, aber auch ein paar Spitzbuben dabei, was aber nicht ausbleibt bei so einem großen Verein.

C.S.: Im Prinzip die Zeit, in der Alfred Trainer war, in der ich aus der Jugend rausgekommen bin. Da sind wir unter Alfreds Leitung gleich aufgestiegen. Und dann die beiden Jahre später haben wir viele Spiele ganz unglücklich mit einem Tor verloren, sind ganz, ganz unglücklich abgestiegen.
Und halt der Zusammenhalt: Unsere Ausflüge, die hauptsächlich von Didi und von mir gestaltet worden sind, haben unheimlich Spaß gemacht. Frauen und Freundinnen waren auch dabei.

A.S.: Oder wie ihr zu meinem Geburtstag gekommen seid. Da kam einer aus Holsen an: „Mensch Alfred, hast du Geburtstag? Ich möchte dir gratulieren, du wirst 40.“ „Woher weißt du, dass ich 40 werde?“ „Ja, das steht bei uns in Lübbecke in der Zeitung drin. ‚Die Spieler des VfL Frotheim treffen sich um 15 Uhr. Wir fahren mit dem Bus zum Geburtstag des Trainers.’ Und ich hatte nur zwei Kisten Bier zu Hause. Da habe ich mir die Zeitung geholt und gesagt: „Oh Gott, die kommen mit dem Bus.“ War aber nachher eine sehr schöne Feier.

C.S.: Was mir als Negatives aus der Zeit einfällt, sind die vielen dummen roten Karten. Die haben wir uns oft in der Schlussphase der Spiele eingefangen.

Familienausflug

Die Fußballmannschaft unternimmt etwas mit Kind und Kegel - Familienausflug mit der Ersten, 1977/78

vfl-frotheim.de: Wie kam es zu den roten Karten?

C.S.: Waßmanns Heinz und Pennings Dieter, das waren halt…

A.S.: …Kämpfer.

C.S.: Das war aber nicht mutwillig. Und Ernst-Heinrich mit dem Mund. Wenn da ein bestimmter Schiedsrichter von Preußen gepfiffen hat, sagte Ernst-Heinrich: „Jungs, denkt daran, mich rechtzeitig rauszunehmen, denn wenn ich zu dem nur Guten Tag sage, kriege ich schon Rot.“


vfl-frotheim.de: Was war dein einprägendstes positives Erlebnis beim VfL?

A.S.: Das Jahr mit dem Aufstieg. Und wie schon gesagt, das mit dem wahnsinnig guten Zusammenhalt. Für mich auch persönlich, dass ich es geschafft habe, dass ihr alle an einem Strang ziehen. Was euch zuerst fehlte, war die Kondition. Und das war meine erste Aufgabe. Und wir haben dann auch viel gearbeitet im Training. Böschung rauf, Böschung runter. Die Jungs hatten Kraft, die konnten für zwei Spiele laufen. Einem Eike Mielke brauchte ich das Fußballspielen nicht beibringen. Oder Leuten wie Rolf Lange und Wilfried Vortmeyer.

C.S.: Aber das schöne Gegenteil: Einem Heinz Waßmann hast du das Fußballspielen beigebracht. Der war einer der besten Außenverteidiger in der Liga. Auch wenn er zwischendurch mal eine rote Karte hatte.

A.S.: Oder Dieter Bothe.

C.S.: Der konnte einen Pass mal geradeaus spielen, wenn wir Glück hatten. Aber er war kopfballstark. Wahnsinn.

A.S.: Und auch als Kamerad war er in Ordnung.

C.S.: Ist er ja heute noch.
 

Schlottmann01 Stockmann1975

links Charly in den Nachwehen der Pubertät, rechts Alfred, beide Bilder sind Mitte der 1970-er aufgenommen worden

vfl-frotheim.de: Warum hast du als Trainer aufgehört?

A.S.: Ich meinte, die Jungs kannten meine Schwächen auch. Und ich dachte: Jetzt musst du weggehen. Es bringt nichts mehr. Und ich hatte mit Willi Hußmann ja auch einen guten Nachfolger.


vfl-frotheim.de: Wie kam es trotz der guten Mannschaft dazu, dass danach so eine langjährige schlechte Phase folgte?

C.S.: Wir haben in den Jahren danach auch wirklich viel Pech gehabt. Wegen Bundeswehr fehlten viele gute Spieler.

A.S.: Willi war ein guter Trainer, aber er hat nur einen Fehler gehabt. Nach einer guten Hinserie (Anm.: 1979/80) standen sie ja oben. Und dann hat er gesagt „Wir steigen auf in die Bezirksklasse.“ Und dann habt ihr ja kein Spiel mehr gewonnen, nachdem das in der Zeitung groß drin stand.

C.S.: Auch danach klappte es zwischen Trainer und Spielern nicht immer optimal.

vfl-frotheim.de: Gibt es eine Anekdote, die dir spontan einfällt?

A.S.: (überlegt) Doch! Krupkas Hans (Anm.: zu der Zeit Fußballobmann, vorher aktiver Fußballer in den 1950-ern) hatte sich einen genommen und wollte Fußball spielen. Wir haben mit Engelszungen auf ihn eingeredet, das sein zu lassen. Aber er wollte mit seinen Halbschuhen unbedingt in der Zweiten spielen. Hafers Günter konnte es ihm aber dann ausreden.

vfl-frotheim.de: Hast du noch Kontakte nach Frotheim?

A.S.: Nein, außer Günter Hafer, den ich einmal im Jahr in Isenstedt bei Picker sehe. Wenn er mich sieht: „Alfred, Käffchen?“ Und ich: „Ja, du altes Schlitzohr“. Da lacht er sich kaputt.

vfl-frotheim.de: Verfolgst du noch, was im VfL passiert?

A.S.: Das ja. Und es wird Zeit, dass ihr mal einen Punkt in der Bezirksliga holt.

vfl-frotheim.de: Welches waren die fünf besten Frotheimer Spieler eurer Zeit?

A.S.: Wilfried Hußmann und Hartwig Brunschütte als Torhüter waren beide sehr gut. Dann Eike, Charly, Didi.

C.S.: Mit Abstrichen bei Eike, wenn’s nicht lief....

A.S.: Wenn’s nicht lief, lief auch bei Eike nicht viel zusammen. Aber ein Techniker, wie er im Buche stand. Und auch die beiden Meyhoffs muss man erwähnen.

C.S.: Absolut, Spiel entscheidend.

A.S.: Heinz-Gerd, den musste man zwar manchmal mit Samthandschuhen anpacken und dann, wenn er richtig drauf war, dann schoss er ein Tor.

A.S.: Auch zum Schluss Glöckners Heinz. Pennings Dieter, Waßmanns Heinz. Im Prinzip müsste ich sie alle erwähnen.

C.S.: Ist wirklich schwer zu sagen, muss ich ehrlich sagen. Deswegen war auch der Zusammenhalt und die Bindung zum Trainer von jedem einzelnen Spieler gut. Weil es gab keinen Hervorragenden in dem Sinne, es war wie bei euch. Wenn einer ausfiel, war der andere doppelt so stark. Die Moral der elf Spieler und die Motivation war so gut, dass es einen Ausfall immer wieder ausgeglichen hat.


vfl-frotheim.de: Habt ihr ein Abschlusswort?

A.S.: Ich würde mir wünschen, dass der VfL in der Bezirksliga bleibt. Das hat sich auch der Verein immer gewünscht. Sag es auch deinen Kameraden. Reißt euch zusammen, kämpft. Zusammenhalt und ein bisschen mehr laufen als die anderen, dann klappt das auch.

C.S.: Ich schließ mich dem an. Wäre schön, wenn sie es schaffen würden.

 

SchlottmannStockmann

(September 2011)

Was macht eigentlich...?

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Charly Schlottmann und Alfred Stockmann im Spätsommer 2011