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FB1 TT TU AER

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VfL Frotheim

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TuRa Espelkamp II

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FC Oppenwehe

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TuS Levern

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SV Hüllhorst-Ob.

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TuSpo Rahden

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SV Schnathorst II

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TuS Gehlenbeck II

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BSC Blasheim II

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TuS Dielingen II

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Holsener SV

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TuS Oppendorf

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FC Pr. Espelkamp II

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Türk Espelkamp

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TuS Tengern III

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OTSV Pr. Oldendorf

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Was machen eigentlich Frieda Wilke und Gerda Nerlich?

Zwar gilt als offizielles Gründungsjahr des VfL Frotheim 1925, doch die eigentliche Gründung basiert auf der Fusion der Sportgemeinde (SG) Frotheim und des FC Frotheim, so geschehen am 8.1.1956. Die SG Frotheim wurde kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus der Taufe gehoben (s. Geschichte des VfL Frotheim). König Fußball spielte damals keine tragende Rolle bei der SG. Das Aushängeschild war die Damenhandballabteilung, die zwischen 1946 und 1958 für Furore in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sorgte.
Auch auf die Gefahr hin, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behaupten, dass die damalige Frauen-Feldhandballmannschaft bis heute die erfolgreichste Mannschaft des Vereins war. Immerhin spielte man damals um den Westfalenpokal und die Westfalenmeisterschaft.

Im Oktober 1949 – die Bundesrepublik Deutschland war unter Adenauer gerade gegründet – gewannen die Frotheimer Frauen die Bezirksmeisterschaft. Genau 60 Jahre später standen zwei Damen aus dieser Mannschaft knapp zwei Stunden Rede und Antwort und gaben dabei authentische Einblicke in diesen Teil der Vereins- und Dorfvergangenheit. 

Was machen eigentlich Frieda Wilke und Gerda Nerlich?

Beide wirken fit und agil, mit ihrer Gesundheit sei „bis jetzt noch alles bestens.“, sie nutzen ihre Führerscheine, singen zusammen im Kirchenchor, engagieren sich im Bereich plattdeutsche Gedichte und haben über ihre aktive Handballzeit hinaus nie den Kontakt zueinander verloren.

Gerda Nerlich, geborene Fegel, Jahrgang 1930, spielte damals im Sturm und war zwischen 1946 und 1955 aktiv im Handballsport. Sie war von Beruf Näherin und musste vor allem in ihrer Jugendzeit in der elterlichen Landwirtschaft hart arbeiten („Urlaub war für mich ein Fremdwort.“). Ihr Neffe Matthias ist heute der erste Vorsitzende des VfL Frotheim.

Frieda Wilke, geborene Eickriede, Jahrgang 1924, war Teil des Abwehrbollwerks der Handballmannschaft (G. Nerlich: „Frieda stand wie eine Eiche!“). Aktiv spielte sie sechs Jahre Handball. 1952 heiratete sie, was damals, passend zum Zeitgeist der 40er- und 50er-Jahre, gleichsam das Ende der Karriere bedeutete. Eine verheiratete Frau, die in der Form aktiv Sport trieb, das schickte sich nicht. Frieda Wilke arbeitete nach dem Krieg wie so viele Frotheimerinnen bei der Zigarrenfabrik Brinkmann/Blase an der Maschine. Während des Krieges war sie im Postdienst beschäftigt. Was sich hinter diesem so harmlosen Satz verbirgt, hat einen um so ernsthafteren Hintergrund: Wie hart musste es für eine Siebzehnjährige sein, Familien am Heimatort Todestelegramme ihrer gefallenen Söhne, Brüder und Väter zu bringen?
 

vfl.frotheim.de: Wie fing es an mit der Damenhandballmannschaft 1946?

Gerda Nerlich: Da hat Gärtner Freese (Anm.: Ernst Freese engagierte sich damals stark in der SG) einen Aufruf gestartet, wer Lust hätte, Handball zu spielen. Mit Mundpropaganda sprach sich das dann zusätzlich herum.


vfl-frotheim: Wie war denn der Trainer Fritz Blome, der Nachfolger von Ernst Freese?

G.N.: Streng, aber…

Frieda Wilke: Wir waren einfach seine Familie.

G.N.: Der hat viel Zeit investiert.


vfl-frotheim.de: War Fritz Blome gelernter Handballer?

G.N.: Er hat nie Handball gespielt und hat sich das nötige Wissen selbst angeeignet. Fußball hat er auch nie gespielt, dafür hatte er verkehrte Füße.

 

Blome

Trainer Blome gibt der Torfrau Anweisungen

vfl-frotheim.de: Wohin gingen die weitesten Auswärtsfahrten der Mannschaft?

G.N.: Wir waren in Huckarde bei Dortmund und in Berlin-Reinickendorf. Da sind wir mit der Polizei Lübbecke, die gleichzeitig eine Handballabteilung hatten, hingefahren. Die Polizei fuhr im Bus. Und August Blase, der hatte damals eine Zigarrenfabrik. Von dem kriegten wir einen LKW-Anhänger und der wurde dran gehängt. Da kamen wir dann alle rein und damit sind wir bis nach Berlin gefahren.
Ein anderes Mal haben wir um den Westfalenpokal gespielt. Das war glaube ich gegen Recklinghausen. Damals haben wir ganz knapp verloren und da haben wir alle geheult. (s. Zeitungsausschnitt)


vfl-frotheim.de: Wie sind Sie sonst zu den Auswärtsspielen gekommen?

 

F.W.: Teilweise mit dem Fahrrad oder auch zu Fuß. Manchmal auch mit der „grünen Minna“ von Thiekers. Einmal sind wir mit einem Anhänger abgeholt worden, wo nur Holzbänke drin standen. Wenn es in die Kurven ging, lagen wir ständig auf der Nase.


vfl-frotheim.de: Einige Ihrer Mitspielerinnen kamen ja aus umliegenden Dörfern. Wie sind die denn nach Frotheim zu Spiel und Training gekommen?

F.W.: Eine Mitspielerin kam immer mit dem Fahrrad aus Lübbecke, jahrelang. Die Perstats aus Nettelstedt hatten keine Fahrräder, da sind wir mit dem Fahrrad durchs Moor gefahren und haben die auf dem Gepäckträger nach Frotheim geschleust.

G.N.: Später hatten Wettingfelds Lina und ich kleine Miele-Sachs-Motorräder, damit haben wir Perstats abgeholt.

F.W.: Es war die schönste Zeit in unserem Leben, sorgenlos. Der Krieg war zu Ende.


vfl-frotheim.de: Erzählen Sie was über den Spielbetrieb.

G.N.: Wir spielten öfter gegen Löhne. Die Löhner kauten Kaugummi, das sie von den Ameri-kanern gekriegt hatten. Und ein paar Zuschauer sagten: „Kaugummi kauen können sie, nur Handball spielen nicht.“

F.W.: Aber die Löhner mochten wir auch nicht. Die dachten, Sie wären was Besseres. Wir kamen ja nur vom Lande, oder wie die Löhner sagten: „Die kommen von’s Land.“

G.N.: Gegen Nettelstedt spielten wir auch oft, und Nettelstedt war immer ganz fanatisch.

F.W. (lacht): Und die mochten wir auch nicht.

(Anm.: Lokalpatriotismus und  hat offensichtlich eine lange Geschichte...)

 

Zeitungsausschnitt_01

Um 1950 musste Frotheim im Halbfinale um den Westfalenpokal eine bittere Niederlage gegen Recklinghausen einstecken. Die Überschrift in dieser Ausgabe der “Freien Presse” lautete: “30 Sekunden vor Schluß fiel die Entscheidung - Frotheimer Frauen in der Verlängerung unterlegen, Frl. Wettingfeld warf alle 5 Tore”

Mannschaftsbild_Damen

Die erfolgreiche Damenmannschaft der SG Frotheim um 1950

obere Reihe von links: Lina Döding, Frieda Eickriede (Wilke), Gertrud Perstat, Käthe Busse, Lina Möller, Anna Horstmann

untere Reihe von links: Luise Buhrmann, Gerda Fegel (Nerlich), Liesel Grote, Ilse Brammeier, Lina Wettingfeld

rechts am Bildrand: Else Horstmann (außen), Hedi Schillack

G.N.: Da haben wir die ersten Jahre immer verloren. Und später haben wir dann gegen die gewonnen. Eine Nettelstedterin war so wütend, die hat dem Schiedsrichter den Ball ins Gesicht geworfen.

F.W.: Wenn wir gespielt hatten, gab es keine Duschen. Da haben wir uns in Hinterhöfen gewaschen. Wenn es gar keine Waschmöglichkeiten gab, sind wir halt so wieder nach Hause gefahren.


vfl-frotheim: Welche Spielkleidung trugen Sie?


G.N.: Unsere erste Uniform haben wir uns aus Leinen selbst gemacht. Da hatten wir blaue Hosen mit weißen Streifen daran. Und solche Pumphosen, unten musste Gummi eingezogen werden. Und dann hatten wir die Blusen mit weißen Kragen dadrauf. Und dann hatten wir eine Zeit einheitliche Kleider darüber, alles in Blau-Weiß. Wir haben auch das Lied gesungen: „Blau und weiß, wie lieb ich dich.“

F.W.: Und bei einem Spiel damals kamen zwei alte, vornehme Damen an und fragten: „Sagen Sie mal, aus welchem Internat kommen Sie denn?“


vfl-frotheim.de: Wie muss man sich das Training damals vorstellen?

G.N.: Trainiert wurde oft bei uns auf der Deele, aber auch bei Albersmeyer. Wir konnten wegen unserer vielen Arbeit nur abends trainieren, und Beleuchtung gab es auf dem Sportplatz ja nicht. Einmal hatten wir bei uns im Herbst trainiert und da lagen noch die Kartoffeln rum. Wir haben die Kartoffeln nur von der Deele gefegt und sahen nach dem Training aus wie die Schweine, weil wir nicht geschrubbt hatten. Aber das war uns alles egal.

F.W.: Manchmal mussten wir ganz schnell rennen von Albersmeyer den Isenstedter Hügel hoch bis zur Kirche und wieder zurück. Da waren wir am Ende.

G.N.: Wir konnten am anderen Tag nicht mal mehr kriechen.

F.W.: Das war schon ein bisschen hart.
 

Spielszene
Waschen1950

Eine Spielszene aus einem Heimspiel um 1950. Frieda Eickriede (Wilke) umringt von gegnerischen Spielerinnen. Im Hintergrund sieht man zahlreiche Zuschauer sowie die Böschung des (ganz) alten Frotheimer Sportplatzes.

Duschen und reguläre Umkleidekabinen? So kurz nach dem Krieg war daran gar nicht zu denken. In Hinterhöfen wuschen sich die Spielerinnen den Dreck vom Leib.

Vorschlag: Zu einem Auswärtsspiel nach Börninghausen mit dem Fahrrad und danach mit einem Eimer kalten Wassers und einem Schwamm säubern - Wer hat Lust?


Einige Schlaglichter zum Damenhandball beim SG Frotheim

  • Gespielt wurde damals ähnlich wie beim Fußball draußen 11 gegen 11 (Torwart, Abwehr, Läuferreihe, Sturm), insgesamt 2mal 30 Minuten mit Schiedsrichter. Der Ligabetrieb war organisiert vom Westdeutschen Handballverband.
  • Entstanden 1946 nach einem Aufruf von Ernst Freese; in diesem Jahr entstand SG Frotheim aus DT Frotheim
  • Zuerst spielten hier nur Frauen direkt aus dem Dorf, nach kurzer Zeit kam Zuwachs durch Spielerinnen anderer Dörfer, z.B. Nettelstedt, Lübbecke, Isenstedt, Lavelsloh, als deren ebenfalls neu formierte Mannschaften schnell wieder auseinander brachen.
  • Es wurden nach anfänglichen Schwierigkeiten ab 1947 zahlreiche Erfolge errungen, angefangen über den Aufstieg aus der Kreisliga über diverse Bezirksmeisterschaften sowie dem weiten Vordringen beim Westfalenpokal und bei Westfalenmeisterschaften. Frotheimer Gegner waren regelmäßig von folgender Kragenweite: Dortmund, Recklinghausen, Bielefeld, Hertha BSC Berlin...
  • Im Ligabetrieb gab es nur wenige Mannschaften, aber quasi jede Woche ein Spiel (viele Freundschaftsspiele). Damals war es keine Seltenheit, dass Mannschaften neu gegründet und mitten in der Serie zurückgezogen wurden. Des Weiteren war es schwierig, die weiten Anfahrtswege zu bewältigen. Somit war die Organisation des Ligabetriebs nicht so „gerade“ wie heute. Die Frotheimer Frauen spielten beispielsweise auch mal in der niedersächsischen Liga.
  • 1958 wurde die Mannschaft vom Spielbetrieb zurückgezogen. Die Funktionäre, die die Mannschaft bislang unterstützt haben, konnten dies aus privaten bzw. beruflichen Gründen nicht mehr leisten. Des Weiteren rückten zu wenig junge Spielerinnen nach, denn aufgrund von Ehe und Familiengründung mussten einige Frauen aufhören. Der Damenhandball kam in dieser Zeit zum Erliegen. Im offiziellen Versammlungsprotokoll des VfL Frotheim hieß es am 16.7.1958: „Wegen des Wetters wurde die Mannschaft von Handballwart Theo Holm nicht mehr angemeldet. Da die dem Verein angehörenden Damen zur Zeit keine Möglichkeit haben, Handball zu spielen, wollen sie jetzt Tischtennissport betreiben.“

     

Wilke_Nierlich

Frieda Wilke und Gerda Nerlich haben ihre ehemaligen Mitspielerinnen überlebt.

Spielszene_02

Das obere Bild mit der Spielszene stammt etwa von 1947. Unten sieht man ein ”Remake”, allerdings 62 Jahre später. Die drei Häuser auf dem oberen Bild stehen heute noch. Links Kleinemeier an der Hauptstraße, in der Mitte das Haus, in dem heute die Provinzial Wittenfeld beheimatet ist, rechts das Fachwerkhaus von Elektro Bollmeier, jetzt Hinter den Hörsten. An dieser Stelle steht heute die Sparkasse. An der Stelle des Weges, der nach unten führt, dürfte das Bestattungshaus Brammeyer stehen.

AlterSportplatzheute

Die Senke samt Raiffeisenstraße wurde erst nach 1955 bebaut. Zwischen den zwei Häusern auf der linken Seite erkennt man ein Stück des Daches des Kleinemeier-Hauses, das bereits 1947 stand. Rechts neben den Nadelbäumen sieht man das Dach der Sparkasse, wo früher das Fachwerkhaus von Bollmeiers stand. Im Vordergrund das Dach eines Hauses in der Lohhorststraße.

vfl-frotheim.de: Wie viel Zeit ging für die Handballspielerei drauf?

F.W.: Trainiert wurde immer mittwochs. Für mehr als ein Training in der Woche war keine Zeit, weil wir so viel arbeiten mussten. Wir waren froh, wenn wir Samstagabends ein bisschen rausgehen konnten. Und schön war, wenn ein paar Leute sagten: „Wenn ihr gewinnt…“

G.N.: Einer gab dann ’ne Pulle Schluck aus, der andere ’ne Torte. Und manchmal nach den Spielen haben wir dann alle eingeladen und haben dann zusammen gefeiert.

F.W.: Die alten Herrschaften, die mitgefahren sind, die haben uns oft unterstützt.

G.N.: Wenn unsere Eltern das nicht so mitgemacht hätten, wäre das nicht gegangen. Wenn sonntags ein Spiel war, haben wir zum Beispiel früh gegessen, damit wir ja wegkamen zum Sport.

F.W.: Mein Vater war sehr streng, aber was den Sport betraf, da konnte ich dann auch früh gehen.


vfl-frotheim.de: Warum war die Mannschaft so erfolgreich?


G.N.: Es herrschte Einigkeit und es gab keinen Streit zwischen uns. Was der Trainer sagte, wurde gemacht. Die Abwehr stand wie eine Eins. Und jeder gab sein Letztes und hat bis zum Umfallen gekämpft.

F.W.: Vor allem hat es auch Freude gemacht.


vfl-frotheim.de: Wer waren die besten Spielerinnen?

F.W.: Gerda, Lina Wettingfeld, Gisela Stumpf, und unser Torwart war auch in Ordnung, die Frau Hennerkes.

(Oktober 2009)

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Der vorvorletzte Frotheimer Sportplatz (1946-1955) lag in der Senke im Loh. Mehrere 100 Zuschauer pro Heimspiel waren keine Seltenheit (Einige Spiele um den Westfalenpokal hatten nachweislich über 2.000 Zuschauer!). Sie standen oben auf der Böschung. Das halbe Dorf war da, zum Beispiel auch alte Dorffrauen in Trachtenkleidung.